Page 47 - Staleke Ausgabe 201, Frühjahr 2016
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Margarete Holtz übergibt Pflegeheim „Senioren-Schlößchen“ und erinnert sich
HAGEN. Wenn es er- zählen könnte, hätte das Gebäude am Amts- damm 31 sicherlich
vieles zu berichten: 1908 wurde die im neugotischen Stil errichtete Villa vom königlichen Baurat Eber- hard Hillebrand im Auftrag seines Schwiegersohnes Ahrend Hüncken gebaut.
Der Harrendorfer Bauernsohn hatte es als Gastarbeiter in ei- ner englischen Zuckerraffine- rie zu viel Geld gebracht, das er nach seiner Rückkehr in den Prachtbau investierte. Bis 1971 diente es als Wohnhaus seines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes. Im Inneren zeugen Schnitzereien aus dem 14. Jahrhundert, mit italienischem Marmor verkleidete Wände, Blattgold an der Decke und kunstvolle Glasfenster noch heute vom Kunstverständ- nis des Architekten, der auch mehrere Kirchen entwarf. Seit 1971 ist in dem Haus das Pfle- geheim „Senioren-Schlößchen“ untergebracht, das von Helene Stolze und ihrer Familie gelei- tet wurde. Am 1. Januar bekam die Villa einen neuen Besitzer und Margarete Holtz, Tochter der 2014 verstorbenen Helene Stolze, erinnert sich: „1969 kam meine Mutter auf die Idee, ein Altenheim in Oyten bei Bre- men zu eröffnen. Sie mietete ein Haus und möblierte es „auf Pump“. Viele Steine seien ihrer Mutter, die zuvor als Hauspfle- gerin gearbeitet hatte, in den Weg gelegt worden; letztend- lich scheiterten die Altenheim- pläne an einer kräftigen Mie- terhöhung. „Sie hatte Kontakte zum Sozialamt in Bremen und erfuhr durch eine Mitarbeiterin von einem zum Verkauf stehen- den Haus in Hagen“, berichtet die Tochter weiter. Über einen örtlichen Makler erfolgte die Vermittlung und die Familie
UNTER DER STALEKE
entschied, das Haus, eben die Villa am Amtsdamm 31, zu kau- fen und zum Pflegeheim umzu- bauen. „Wir haben einen Fahr- stuhl eingebaut, es entstanden
Tochter Manuela Kariger hat seit 35 Jahren die Pflegedienst- leitung. Auch sie blickt gerne zurück: „Wir sind früher mit den Bewohnern ins Schwimmbad
damals viele Suchtkranke im Haus, die beim Schneeräumen mitgeholfen haben. Mein Mann Werner, der mich hier bei mei- ner Arbeit immer unterstützt hat, war in Bremerhaven ein- geschneit. Bei der Versorgung der Bewohner gab es allerdings keine Probleme“, weiß sie noch. Später habe ein starker Sturm gedroht, das Scheunentor einzudrücken. „Es gab einen Sturmschaden auf dem Dach, aber das Scheunentor hielt“, so Margarete Holtz. Die Scheune ist mittlerweile abgerissen und die Bauteile haben eine ganz besondere Verwendung gefunden: „Sie dienen im Gri- enenbergsee als Uferbefesti- gung“, erzählt die ehemalige Pflegeheim-Eigentümerin, die sich nun auf den Ruhestand freut. Tochter Manuela bleibt als Pflegedienstleitung im Hau- se und hat zum neuen Eigen- tümer Hauke Christiansen, der über eine Anzeige zum Haus gekommen ist (siehe neben- stehender Bericht), eine eigene Philosophie: „Das Haus hat et- was Mystisches, vielleicht hat es sich denjenigen ausgesucht“, meint sie schmunzelnd. s
Andrea Grotheer
Die neugotische Villa am Amtsdamm, die seit 1971 ein Pflegeheim ist. Mit Hauke Christiansen hat das „Senioren-Schlößchen“ seit dem 1. Januar 2016 einen neuen Eigentümer
behindertengerechte Bäder und zusätzliche Zimmer im An- bau“, erzählt Margarete Holtz von den Renovierungsarbeiten im denkmalgeschützten Sand- steinbau. „Das Holzparkett war ganz dunkel, so dick war es mit Bohnerwachs eingeschmiert, und unter den Tapeten haben wir Zeitungspapier gefunden“, weiß sie noch von den Arbeiten. Auch neue Fenster, eine neue Heizungsanlage und ein neues Dach erhielt das alte Haus. 1971 wurde der Betrieb im Hagener Senioren-Schlößchen aufge- nommen. „1972 sind wir nach Hagen gezogen und wohnten im Nebengebäude“, erinnert sich Margarete Holtz. Damals sei das „Senioren-Schlößchen“ das einzige Pflegeheim weit und breit gewesen, und durch die Unterstützung aller Fami- lienmitglieder so etwas wie ein Familienbetrieb gewesen. Schwiegersohn Manfred Kariger hat unter anderem die Betrieb- sorganisation übernommen,
und ins Theater gefahren, und wir haben sie in der Küche mit eingebunden.“ Das sei heute aufgrund vieler Vorschriften in dieser Form nicht mehr mög- lich, erzählt sie. Überhaupt habe man viel erlebt, ergänzt Margarete Holtz, und berich- tet vom der großen Schnee- katastrophe 1978: „Wir hatten
Nach 44 Jahren hat Magarete Holtz (r.) das Hagener Pflegeheim Senioren-Schlößchen an Hauke Christiansen (l.) übergeben. Ihre Tochter Manuela Kariger (Mitte) bleibt als Pflegedienstleiterin im Betrieb
FRÜHJAHR 2016 | 47
C ANDREA GROTHEER
C ANDREA GROTHEER

