Page 55 - Staleke Ausgabe 201, Frühjahr 2016
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die damit die ersten Landschul- meister wurden. Besonders ge- schah dies im Jahrhundert der Reformation als eine natürliche Folge der letzteren. Von der Paro- chialschule zweigten sich, gewiß je nach Bedarf und Wunsch der eingepfarrten Orte, neue Schu- len ab, die alsdann den
lassen, nach unserer gegenwär- tigen Bauweise eng, gewöhnlich 2 – 2 1⁄2 m hoch und durch kleine bleigefasste Fenster dürftig er- hellt.
Von der Schulgemeinde wurde nur das Schulzimmer mietweise beschafft; der Lehrer hatte für die
Namen Nebenschulen
führten und nicht in
einem Kirchort lagen.
Statt des Wortes „Pa- rochialschule“ trat damit die Bezeichnung “Hauptschule“ auf. Die Namen „Haupt- und Neben- schulen“ haben sich lange erhal- ten und erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihre berechtigte Bedeutung verloren.
Als eine solche einklassige Ne- benschule hat sich ohne Frage aus dem vorerwähnten Grunde wohl die hiesige Volksschule von der Hauptschule zu Bramstedt abgezweigt. Da Hagen damals ein eigenes Schulhaus noch nicht besaß, hat man jedenfalls auch hier, wie es bei Nebenschu- len wohl allgemein üblich war, wechselweise die Stuben der Ein- wohner als Schullokale benutzt. Sobald sich dieserhalb Unzuträg- lichkeiten einstellten, kam man wahrscheinlich dahin, mietwei- se ein Schulzimmer zu gewin- nen. Möglicherweise mag dieser Weg auch schon gleich bei der Gründung der hiesigen Schule betreten sein. Jegliche nähe- re schriftliche oder mündliche Kunde fehlt uns darüber ebenso sehr wie über die früheren Lehr- personen. Positive Nachrichten darüber ragen nur soweit in die Vergangenheit zurück wie die Er- innerungen der jetzigen ältesten Einwohner.
Bis zum Jahre 1844 ist als Schul- lokal ein Raum im jetzigen Däh- nekeschen Wohnhause Nr. 65 hierselbst benutzt. Das fragliche Wohngebäude diente zugleich mit für den landwirtschaftlichen Betrieb und zeigte die hier bei allen Gebäuden ländlich übliche Bauart und Einrichtung: niedri- gen Unterbau in Fachwerk mit Strohdach. Die Wohnräume wa- ren, um die Diele geräumig zu
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Holzschuh als Sitz benutzen
eigene Wohnung selbst zu sorgen. Als Schulzim- mer diente, mutmaß- lich ununterbrochen etwa von 1750 an, der-
selbe Raum, der gegenwärtig als Sattlerwerkstätte benutzt wird. Als Subsellien (lat. subsellium = Bank,Sitz) waren in demselben 2 lange Tische gewöhnlicher Art, unten mit einfachen Börten ver- sehen, aufgestellt. An jeder Seite des Tisches stand eine ebenso schlichte Bank. Bei halbwegs normalem Schulbesuch konnten die vorhandenen Sitzplätze dem Bedürfnis nicht genügen; die Herrichtung von einem Mehr war des beschränkten Raumes hal- ber unmöglich. Den „Kampf ums Dasein“ im Schulzimmer mußten besonders die neu eintretenden Schüler in seiner ganzen Schwere durchkosten. Wer sich von ihnen von den Sitzplätzen ausgeschlos- sen sah, benutzte als solchen gerne die hohe Türschwelle und schätzte sich mit Recht glücklich darob, da als weitere Unterkunft nur der Fußboden verblieb. Zur Schaffung der einfachsten Be- quemlichkeit mußte alsdann die eigene Erfindungsgabe des Schülers helfend mit eintreten. So half sich beispielsweise ein durchaus glaubwürdiger Mann nach seiner eigenen Aussage als einstiger Schüler der hiesigen Volksschule etwa in den Jahren 1840-1850 als Schulneuling da- mit, daß er, von allem Besseren ausgeschlossen, den Holzschuh als Sitz benutzte. Als nach 8 martervollen Tagen dies primi- tive Aushülfsmittel in des Wortes eigenster Bedeutung nicht mehr zum Aushalten war, stellte der fragliche Schüler seine Schulbe- suche auf Wunsch seines Vaters während des laufenden Som- merhalbjahres ein. (Fortsetzung folgt) s Jutta Siegmeyer
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