Page 28 - Staleke Ausgabe 203, Herbst 2016
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Wie funktioniert eine Mediation und weshalb macht sie Sinn?
1. Begriffsklärung:
Die Mediation (nicht zu verwech- seln mit der bewusstseinserwei- ternden Meditation) ist im Media- tionsgesetz geregelt und stellt ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren dar, mit dem die Partei- en eines Konfliktes mit Hilfe eines oder mehrerer Mediatoren eine einvernehmliche Beilegung des Konfliktes suchen.
Ein Mediator (m/w) führt die Parteien durch das Verfahren. Er ist unabhängig und neutral und hat eine spezielle Media- tionsausbildung durch-
Begründung ablehnen, mit ei- ner halben Orange wäre ihnen nicht gedient
Die Mutter könnte die Orange nun – wie ein Richter – trotzdem einfach durchschneiden – mit der Aufforderung an die Kinder, jeweils eine Hälfte zu nehmen und endlich Ruhe zu geben Ruhe tritt leider nicht ein, denn das eine Kind erinnert sich, dass das andere Kind vor kurzem ein ganzes Netz Orangen ohne zu teilen gegessen hat und dem
denkbar Im Gegensatz dazu kann ein Richter in einem Ge- richtsverfahren nur ausschließ- lich über den rechtshängigen Streitgegenstand entscheiden Hätten beide Kinder im Beispiel den Saft der Orange haben wol- len, so könnten durch die Me- diation weitere Bedürfnisse der Kinder ermittelt werden, die mit der Orange selbst gar nichts zu tun hätten Das eine Kind könnte dem anderen Kind dann z B die Lösung anbieten, gegen Über- lassung der ganzen Orange bei den schwierigen Mathe-Haus- aufgaben zu helfen
2. Der Ablauf des Mediations- verfahrens:
Je nachdem, wo ein Mediator seine Ausbildung gemacht hat, führt er die Parteien im Mediati- onsverfahren durch verschiede- ne Verfahrensphasen und gibt eine Gesprächsstruktur vor Die Unterzeichnerin orientiert sich im Weiteren an dem Buch von Richter Arthur Trossen, „Medi- ation (un)geregelt“, 2014 Da- nach sind fünf Hauptphasen zu durchlaufen:
Phase 1: Gesprächsrahmen in- stallieren, Mediationsvertrag abschließen
Bevor es zur Sache geht, müssen Regeln für das Gespräch aufge- stellt werden Hier gilt es, einen Mediationsvertrag abzuschlie- ßen und zu klären, wer alles an dem Gespräch teilnehmen soll, wie lange die Mediation maxi- mal dauern soll, usw Es wird
eine Rahmenebene installiert Die Parteien erfahren, dass eine Mediation immer freiwillig ist Z B kann kein Arbeitnehmer von seinem Chef gezwungen werden, daran teilzunehmen, auch wenn dieser das Verfahren zahlt
Alles was besprochen wird, ist vertraulich Kommt es zu kei- nem Konsens, dürfen Details aus der Mediation nicht in einem Prozess nach dem Motto „XY hat in der Mediation aber zuge- geben, dass...! Zeuge ist ... “, verwertet werden
der Mediator ist neutral
Die Parteien sind für das Ergeb- nis der Mediation verantwort- lich Der Mediator ist kein Garant für eine Lösung Er ist neutral und sollte deshalb auch keine eigenen Lösungen anbieten Denn spätestens, wenn er sei- ne Vorschläge gegenüber einer Partei verteidigen muss, läuft er Gefahr, seine neutrale Position zu verlieren Die Lösung sollte daher schon von den Parteien selbst kommen
Die Verantwortung des Medi- ators liegt vielmehr darin, dem Verfahren Struktur zu geben und die Prinzipien der Mediati- on zu beachten, vor allem auch Sorge dafür zu tragen, dass die Parteien jeweils über alle ent- scheidungserheblichen Aspek- te transparent und umfassend informiert werden
Phase 2: Das Thema und die Positionen der Parteien
Erst in Phase 2 kommt der Kon-
laufen. Er unterstützt die
Parteien dabei, selbst
eine Lösung für ihren
Konflikt zu finden, in-
dem er ihnen hilft, den
Konflikt selbst besser zu verstehen. Er hat jedoch im Gegensatz zu ei- nem Richter keine Entscheidungs- befugnis in der Sache.
Ein Konflikt spielt sich auf zwei Ebenen ab. Es gibt je Partei eine nach außen gerichtete Position („ ich will, dass ... passiert“) und ein dahinter stehendes Motiv/Bedürf- nis („ich brauche das, weil ...“).
Wird das hinter der jeweiligen Position stehende Bedürfnis he- rausgearbeitet, kann der Kon- flikt viel eher sachgerecht gelöst werden Im Idealfall ist dann ein Konsens im Sinne einer Win- Win-Lösung möglich
Hierzu ein typisches Lehrbuch- beispiel: Zwei Kinder streiten sich um eine Orange Die Mut- ter schlägt vor, die Orange halb/ halb zu teilen, was beide mit der
Ein Mediator (m/w) führt die Parteien durch
das Verfahren
anderen Kind missfällt, dass es als Erstes die Idee mit der Orange hatte, das aber von der Mutter nicht berück- sichtigt wurde Beide Kinder bleiben unzu-
frieden, der Konflikt schwelt weiter und tritt bei der nächst- besten Gelegenheit wieder zu- tage
Hätte die Mutter nach dem je- weiligen Motiv gefragt, hätte sie vielleicht erfahren, dass das eine Kind großen Durst hatte und sich Saft pressen wollte und das andere Kind einen Kuchen ba- cken wollte, für dessen Rezept es die Schale einer ganzen Orange benötigte Schnell wird klar, dass es anstelle des Durchschneidens der Orange eine bessere Alter- nativlösung gegeben hätte Zwar sind die Fälle in der Reali- tät nicht immer so einfach Den- noch spielt das jeweilige Motiv für einen Konflikt stets eine Rolle Lösungen sind in der Me- diation zudem über den eigent- lichen Streitgegenstand hinaus
Andreas
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