Page 29 - Staleke Ausgabe 203, Herbst 2016
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flikt selbst zur Sprache Es wird geklärt, über welches Thema die Parteien sprechen wollen – und worüber nicht Der Mediator ar- beitet heraus, welche Positionen die Parteien in Bezug auf das je- weilige Thema vertreten Hierzu ein Beispiel aus dem Unterhaltsrecht: Der getrennt lebende Ehegatte A sagt: „Ich will von meinem Ehegatten B Unterhalt in Höhe von 1 000,00 EUR mtl “ B sagt: „Ich habe nicht genug Einkommen, um überhaupt Unterhalt zahlen zu können “ Das Thema, über das gesprochen werden soll, heißt demnach „Unterhalt“
Bei der Ermittlung des Themas deutet sich durch Randbemer- kungen der Ehegatten an, dass Ehegatte B den Ehegatten A betrogen hat, wodurch es zur Trennung kam Beide Ehegat- ten sind sich aber einig, dass sie über das Thema „Fremdgehen“ nicht sprechen wollen Das ist zu akzeptieren
Phase 3: Die Motive hinter den Positionen
Die Phase 3 wird teilweise als „Gang durch die Schlangen- grube“ bezeichnet, weil hier den Motiven des Konfliktes auf den Grund gegangen wird Als Mediator muss man auf Kör- persprache achten, spezielle Gesprächstechniken anwen- den und insgesamt großes Einfühlungsvermögen und Verständnis zeigen, da die Ge- müter in dieser Phase schnell hochkochen Der Mediator hat dann für Entschleunigung zu sorgen, wodurch das Verfahren langatmig wirkt Tatsächlich ist dies eine Technik, das kon-
struktive Gespräch zu fördern und Erkenntnisse zu sammeln Vielen Parteien ist oft selbst nicht genau klar, warum sie be- stimmte Positionen vertreten oder „nicht über ihren Schatten springen können“
Im Beispielsfall könnte sich z B herausstellen, dass die Höhe der Unterhaltsforderung, bzw die fehlende Bereitschaft, Un- terhalt zahlen zu wollen, keine reine Mathematik ist, sondern eng mit dem Thema „Fremdge- hen“ und verletzten Gefühlen verknüpft ist
le spielt Sachliche Argumente treffen hier oft auf Granit Be- dauert aber ggf eine Partei ihr Verhalten zutiefst und kommt es zu einer aufrichtigen Entschul- digung, kann dieses u U einen Knoten lösen und eine Koope- ration möglich machen
Phase 4: Lösungsvorschläge und Konsens
Wenn die hinter den Positio- nen stehenden Bedürfnisse bekannt sind, werden in Phase 4 Lösungsideen der Parteien gesammelt Je mehr, desto bes-
die Parteien eine Lösung gefun- den haben, die rechtlich nicht zulässig ist In dem Fall hilft der Mediator, eine dem Gewollten möglichst nahekommende ge- setzeskonforme Lösung zu fin- den Der Mediator ist auch bei der Formulierung des Gewollten behilflich
Zeit ist auch in der Mediation ein Faktor Dennoch ist wichtig, dass jede Partei ausreichend Gele- genheit bekommt, sich den Ver- tragsabschluss reiflich zu über- legen Sie darf nicht bedrängt werden Jede Partei hat daher das Recht, vor Abschluss einer Vereinbarung Bedenkzeit ein- zufordern und den gefundenen Konsens ggf fachkundig über- prüfen zu lassen, so dass später keine Vertragsreue eintritt
3. Fazit:
Eine Mediation ist ein struk- turierter, ergebnisoffener Er- kenntnisprozess Der Mediator vermittelt den Parteien ein tie- feres Verständnis ihres Konflik- tes, indem er die Hintergründe aufklärt und die einzelnen Be- dürfnisse der Parteien herausar- beitet Den Parteien wird so die Suche nach sinnvollen Lösun- gen erleichtert Entscheidend ist aber vor allem, dass die Parteien einer Mediation die Lösung ih- res Konfliktes nicht einfach auf einen Dritten (z B einen Richter) delegieren und sich in der Kon- sequenz auch dessen Entschei- dung unterwerfen, sondern dass sie in der Verantwortung bleiben und das Ergebnis des Mediationsverfahrens bis zum Schluss selbst in der Hand behal- ten s Syliva Otten-Horstmann, Rechtsanwältin und Mediatorin, Hagen Tel. 04746 72690-28 oder -29
JÜRGEN JÜRGEN
Kraftfahrzeuge – Schlepper – Reparatur – Werkstatt Vorm Dorf 14 · 27628 Driftsethe · (0 47 46) 5 70
WENDELKEN
WENDELKEN
MEISTERBETRIEB
DER
KFZ-INNUNG
UNTER DER STALEKE
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Um einen Konsenz
zu erreichen, kann es
als Mediator wichtig
sein, das Tabuthema „Fremdgehen“ nochmals an- zusprechen und darzulegen, dass die Aufarbeitung dessel- ben auch für die Lösung der Unterhaltsfrage wichtig sein kann Das in Phase 2 gefunde- ne Thema kann also auch spä- ter noch um weitere Themen ergänzt werden Will aber im Beispiel ein Ehegatte trotzdem nicht über das Fremdgehen sprechen, ist dieses weiterhin kein Thema
Generell gilt, dass sich Proble- me auf reiner Sachebene am einfachsten lösen lassen Hier führen auch Sachargumente zum Ziel
Schwieriger sind Konflikte, in de- nen verletzte Gefühle eine Rolle spielen Zur Lösung solche Kon- flikte reicht es manchmal aus, die betreffenden Gefühle aufzu- zeigen und offen anzusprechen Richtig „harte Nüsse“ sind hin- gegen Konflikte, bei denen sich eine Partei in ihrer Ehre verletzt fühlt oder wo Scham eine Rol-
ser Diese werden im Sinne eines Brainstor- mings notiert und im Anschluss gemeinsam
ausgewertet: „Idee 1 ist für mich denkbar, Idee 2 geht gar nicht, Idee 3 nur, wenn ...“ Ziel ist, auf diese Art und Weise einen Kon- sens zu finden
Phase 5: Fixierung einer Ver- einbarung
Gelingt dieses erfolgreich, schließt sich Phase 5 an, in der der gefundene Konsens schrift- lich fixiert wird Ein Mediator berät in der Regel nicht recht- lich Ist er allerdings selbst auch Rechtsanwalt, kann er dieses dennoch tun, solange er dabei neutral bleibt Liegt die von den Parteien gefundene Lösung weit entfernt von der gesetzli- chen Regelung, wird er darauf hinweisen, allerdings nicht un- bedingt mit dem Ziel, die Par- teien zu einer „besseren“ Lösung zu bewegen, sondern lediglich, um diese darüber zu informie- ren und ihnen die Möglichkeit einer kritischen Überprüfung zu geben Etwas anderes gilt, wenn
Wo Scham eine Rolle spielt

