Page 12 - Staleke Ausgabe 202, Sommer 2016
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Völkerwanderung Was wan- derte nicht alles nach Amerika aus Täglich liefen mit Aus- siedlern voll beladene Schiffe aus dem Hamburger Hafen aus nach Amerika Genauso in Bremen, in Bremerhaven, in Amsterdam, oder in Southamp- ton Vertreibung wegen ihres Glaubens einerseits, Flucht aus der desolaten wirtschaft- lichen Situation andererseits, Flucht vor dem Militärdienst Und vielleicht auch Hoffnung auf ein eigenes Leben Im Jahr 1910 gingen 1 Million Europäer nach Amerika Insgesamt wan- derten 60 Millionen Europäer nach Amerika aus
Über Flucht und Vertreibung im 20 Jh will ich nur noch kurz aus dem oben genannten Buch von Jan Maria Piskorski zitieren: Europa hat im 20 Jh ca 80 Mil- lionen Flüchtlinge produziert Zwischen 1914 und 1960 waren 75 Millionen Europäer von De- portation, Flucht und Vertrei- bung betroffen Es gab in Ost- und Mitteleuropa nicht eine Familie ohne diese Erfahrung Eigentlich erst seit dem 1 Welt- krieg wurden aus Migranten Flüchtlinge – unwillkommene Gäste Noch im 18
1919 gab es eine gewaltige Aus- wanderungswelle von Russen nach Finnland und Tschechien, und nach Paris; und in Berlin lebten 1920 eine halbe Million Russen
Zwischen 1960 und 1980 ver- ursachten die Diktaturen in Südamerika gewaltige Flücht- lingsströme
In Afrika führten die Kriege und ethnischen Säuberungen zu einem „Kontinent unterwegs“, wie es ein Migrationsforscher nennt
Gesamt wurden von 1939-1943 30 Millionen Menschen umge- siedelt, darunter 10 Millionen evakuierte Deutsche 1/3 der Polen mussten den Wohnort wechseln
Nach dem 2 Weltkrieg migrier- ten 14 Millionen Menschen aus Mittel- und Osteuropa in das zerstörte Deutschland
Der Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren hat an die 4 Millionen Flüchtlinge verur- sacht, das ist fast ein Viertel der damaligen dortigen Bevölke- rung
Der Migrationsforscher Klaus Bade wird mit dem Satz zitiert: „Seit der homo sapiens exis-
und Völker zehntausendfach ausgezogen
Ursachen sind und waren vor allem Kriege, ethnische Verfol- gung, die folgende Not, und weitere Vertreibung Aber aus all dem ist Geschichte entstan- den, aus all dem hat sich Neues entwickelt
Unser prinzipielles Einverständ- nis in eine demokratische Ord- nung haben uns die Griechen beigebracht, aber unter Ver- mittlung der Araber in Spanien, die griechische Texte, auch die Schriften der Philosophen, aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzten, um sie für uns lesbar zu machen Griechisch konnte im 12 Jh kein katholi- scher Geistlicher lesen
Eine kulturelle Entwicklung ist bisher vor allem durch die Ein- beziehung anderer kultureller Einflüsse geschehen
Vor ca 2 000 Jahren also flüch- tete die am Anfang erwähnte Familie und sicher nicht nur die eine nach Ägypten Zurück kam sie erst nach dem Tode des Herodes In Judäa, in Beth- lehem, wurden sie nicht aufge- nommen, so zogen sie weiter nach Galiläa, und fanden ein Heim in Nazareth Dort waren sie fremd unter Fremden, denn in Galiläa siedelten überwie- gend griechische Heiden
Das nur, um den Bogen der Ge- schichte wieder auf die heutige Situation zurückzubiegen
30 Jahre später wanderte Jesus mit seinem Grüppchen auch nur in Galiläa umher, sie hatten kein Heim, waren zwar nicht auf der Flucht, aber unbehaust Vertrieben wurden sie eigent-
lich auch nicht Aber ist ein Leben ohne Heim nicht auch wie eines auf der Flucht? Einem Menschen, der keinen Grund- besitz hat, fällt der Ortswechsel nicht schwer, er muss nichts zu- rücklassen Ein Mensch, dessen Garten, Haus und Feld vom Ur- großvater stammt und der dort zu Hause ist mit seiner Familie, der wird das nicht ohne einen gewaltig zureichenden Grund verlassen
Daraus folgt eine eindeutige Botschaft: Liebe zum Neben- menschen, auch zum Feind, Gastfreundschaft, sich auf das Neue einlassen, mitgestalten In diesem Sinne: Vertreibung, verjagt werden und Flucht sind die eine Seite der Geschich- te, die andere eine neue Ge- staltung der Lebensform, das Annehmen eines anderen kul- turellen Wissens, dem Gewahr- werden der Gastfreundschaft und der Toleranz, zum Beispiel Bei Matthäus lesen wir dann auch diese Worte Jesu, die quasi den Eintritt in das Reich Gottes garantieren sollen: „Denn ich bin hungrig gewe- sen, und ihr habt mir zu essen gegeben Ich bin durstig gewe- sen, und ihr habt mir zu trinken gegeben Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen “
Das sollte eigentlich der letzte Satz meines Textes sein, aber vorgestern fand ich noch ein Zi- tat von Kant, vielleicht vor mehr als 240 Jahren formuliert, und heute so aktuell: „Wenn das Ab- weisen eines Flüchtlings zu des- sen Untergang führt, dann habe man kein Recht, das zu tun “ s
nach Prof. Bernd Zimmermann/G. Wüst
tiert, existiert auch der Jh konkurrierten die Europa hat im homo migrans “
Länder Europas um 20. Jahrhundert (Ende der Zitate von
Jan Maria Piskorski)
Menschen sind im-
mer aus ihrem ange- stammten Land ausgewandert: Klimakatastrophen, Kriege, Vertreibung und Flucht, Sehn- sucht nach einem besseren Le- ben, Sehnsucht nach Freiheit – sie sind als Stämme, als Ethnien
Migranten
Dann die Flüchtlings-
ströme nach Revo- lutionen Nach der Französischen Revolution flüchteten Hunderttausende Franzosen nach Russland, nach der Russischen Revolution Hunderttausende Russen nach Frankreich
ca. 80 Millionen Flüchtlinge produziert
Andreas
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