Page 41 - Staleke Ausgabe 212, Winter 2018
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Geheimnisvolle Gräben und Wälle im Kassebrucher Gehölz
wurde, dass es keinerlei münd- liche Überlieferung in der Be- völkerung über den Ursprung der Anlage gibt, was eher für eine vor fränkische Zeit spricht, da unter Karl dem Großen die Sachsen teilweise deportiert worden sind und damit auch mündliche Überlieferungen verloren gingen, auch waren im Rahmen der Christianisie- rung Aufzeichnungen über die Sagen, Sitten und Gebräuche der Sachsen unerwünscht . Au- ßerdem sind die Befestigungen Richtung Westen also Weser ausgerichtet und die Lage ist westlich der Drepte, die Ha- gener Burg befindet sich aber östlich der Drepte . Dies spricht also eher gegen eine Belage- rungsfestung der Stedinger . Falls Ihre Fantasie oder Ihr ge- schichtliches Interesse geweckt wurde besuchen Sie das Kastell am Bruch oder folgen Sie mei- nen weiteren Beschreibungen bei einem gedachten Spazier- gang durch das „Kassebrucher Gehölz“ mit seinem geheimnis- vollen, mystischen Orten, de- nen die Kraft der Jahrtausende innewohnt . In denen Geschich- te lebt, aber nie geschrieben wurde . Wo Geschichte verlo- renging und doch überall zu finden ist . Ein Ort an dem in den Wipfeln der Bäume immer noch die monotonen Gesänge der Schamanen, die um göttli- chen Beistand bitten, zu hören sind .
Während im morgendlichen Nebel in der Drepte-Niederung
Trolle und Elfen mit den ersten Sonnenstrahlen weichen, be- ginnen wir unseren Gang auf vorgeschichtlichen Spuren auf dem Damm, der die alte Sumpf- burg derer von Wersebe um- gab . Sie liegt hinter der Drep- tebrücke an der Straße „Am Dorfteich, zu unserer Linken . Der Burggraben ist noch gut zu erkennen . Von der Burg selber ist leider nichts mehr erhalten . Alte Schwarzerlen haben ihre Wurzeln in diesen geschichts- trächtigen Boden gesenkt . Er gibt ihnen Halt und sie schüt- zen Verborgenes aus uralter Zeit . Rechts steht die ehemali- ge Wassermühle . Sie wurde im Rahmen der Kanalisierung der Drepte ihres Schmuckstücks, dem Mühlenteich, beraubt . In der morgendlichen Stille er- ahnen wir noch das donnern- de Rauschen des Wassers, wie es sich über den Stau in den Mühlenteich ergießt und wie die Gischt in der Morgensonne einen Regenbogen an die Klin- kerwand malt .
Wir folgen der Straße die leicht ansteigend den Geestrücken erklimmt und sehen zur linken das Gut derer von Wersebe mit dem Gesindehaus im Hinter- grund . Nur dieses gibt noch den Charme und die Ruhe längst vergangener Zeit wider . An dem einzigen Gehweg des Ortes schmiegt sich eine Rot- steinmauer im Stil des 18 . Jahr- hunderts . Kontrastvoll hebt sie sich vom hellen Grün der alten Linden ab . Am einzigen
KASSEBRUCH. Fährt man aus Hagen kommend über die Drepteniederung Richtung Sandstedt erstreckt sich links und rechts der K 51 ein zur Ge- markung Kassebruch gehören- der Mischwald . Hier finden wir geheimnisvolle Wälle, Gräben und Hügel, die alle Möglich- keiten für fantasievolle Spe- kulationen bieten . Hier haben Menschenkräfte ihre Spuren hinterlassen, ohne dass jemals etwas über den Hintergrund ihres Handelns oder die Be- deutung dieser Bauwerke nie- dergeschrieben wurde . Alles deutet aber darauf hin, dass es sich um Befestigungsanlagen gehandelt haben muss, die vor oder während der Fran- ken-Zeit entstanden sind . Ob sie bronzezeitlichen, chauki- schen, römischen oder sächsi- schen Ursprungs sind, könnten nur Ausgrabungen klären . Auf jeden Fall wäre diese Festung oder vielleicht auch Festungen mit der sumpfigen Drepte-Nie- derung (im Niederdeutschen Brook oder Hochdeutschem Bruch genannt) im Rücken leicht zu verteidigen und der Zugang zur Furt in der Drep- te wäre möglichen Invasoren verwehrt gewesen . Die Römer, Wikinger und Franken haben nachweislich von der Weser aus
Märsche Richtung Elbe unter- nommen und könnten für die Entstehung mit verantwortlich sein, zumal die Römer und die Franken unter Karl dem Gro- ßen ihre Befestigungsanlagen als Kastell bezeichneten . Aus einem Kastell am Bruch könnte sich auch der Name Kassebruch abgeleitet haben . Zumindest ist dies genauso wahrscheinlich, wie einer Namensgebung aus Karsten im Bruch oder Kasbee- ren (Sauerkirschen) im Bruch, die bisher als Namensursprung für Kassebruch gelten . Schon Heinrich Schriefer beschrieb in seinem Werk „zwischen Hagen und Stotel“ den Teil der Anlage, die sich im Süden der Landstra- ße K 51 befindet . Dort vermerk- te er, dass die Bevölkerung von einer „Römerschanze“ spricht, er die Anlage aber für zu jung hält und sie den Bauernkriegen der Stedinger gegen den Erz- bischof von Bremen zuschreibt . Die Stedinger Bauern sollen ja die erzbischöfliche Burg in Hagen belagert haben . Hierge- gen spricht aber, dass die Zer- störung der Monsilienburg bei Wellen durch die Stedinger ge- schichtlich erwähnt wurde, sich aber über die Anlage in Kasse- bruch keinerlei Niederschrei- bung findet und auch von Heinrich Schriefer vermerkt
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E. K.
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